Kontakt

Praxis für Psychotherapie, Hypnose und Coaching (HeilPrG)
Anneke Müller
Georgstraße 24
26121 Oldenburg
Tel.: 0441 30 41 44 96
E-Mail: info@annekemueller.de

Gesprächstherapie

Was genau versteht man unter Gesprächstherapie?

Die Gesprächstherapie, auch klientenzentrierte oder personenzentrierte Therapie genannt, ist eine der häufigsten Formen der Psychotherapie. In der Gesprächstherapie geht es darum, sich selbst besser kennenzulernen, problematische Denkmuster aufzudecken und sich dadurch weiterzuentwickeln. Sie hilft dem Klienten, Störungen zu identifizieren und zu bearbeiten. So kommen beim Klienten Prozesse in Gang, die zu einer Besserung oder Heilung von psychischen und psychosomatischen Störungen führen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Haltung des Therapeuten. Der Therapeut schafft ein Klima der Wertschätzung und Akzeptanz, in dem sich der Klient öffnen kann.

Die Gesprächstherapie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts vom Psychologen Carl R. Rogers begründet und gehört zu den sogenannten humanistischen Therapieverfahren. Diese gehen davon aus, dass der Mensch sich ständig weiterentwickeln und wachsen will. Der Therapeut unterstützt diese sogenannte Aktualisierungstendenz, indem er dem Klienten  hilft,  sich selbst zu verwirklichen.

Im Gegensatz zu anderen Therapieformen konzentriert sich die Gesprächstherapie nicht auf die Probleme des Klienten, sondern auf das Entwicklungspotenzial der Person im Hier und Jetzt. Die Gesprächstherapie geht davon aus, dass psychische Störungen entstehen, wenn der Klient  Probleme hat, sich selbst zu akzeptieren und wertzuschätzen. Er sieht sich also verzerrt und nicht so, wie er wirklich ist. Beispielsweise sieht sich jemand als mutig, schreckt aber vor Herausforderungen zurück. Daraus entsteht eine Nichtübereinstimmung (Inkongruenz). Das bedeutet, dass der Klient ein Bild von sich hat, das nicht mit seinen Erfahrungen zusammenpasst.

Diese Unstimmigkeit erzeugt Angst und Schmerz. Sie entsteht häufig, weil Klienten denken, so wie sie wirklich sind, nicht liebenswert zu sein.

Carl R. Rogers hat für die Gesprächstherapie sechs entscheidende Bedingungen aufgestellt:

  1. Es ist notwendig für die Interaktion, dass ein Kontakt zwischen Therapeut und Klient besteht.
  2. Der Klient  befindet sich in einem inkongruenten Zustand, der ihm Angst bereitet und ihn verletzlich macht.
  3. Der Therapeut ist in einem kongruenten Zustand. Das bedeutet, dass er gegenüber dem Klient  wahrhaftig ist und sich nicht verstellt.
  4. Der Therapeut akzeptiert den Klienten  bedingungslos.
  5. Der Therapeut fühlt sich in den Klienten hinein, ohne sich in dessen Gefühlen zu verlieren.
  6. Der Klient nimmt den Therapeuten als einfühlend wahr und fühlt sich bedingungslos akzeptiert und wertgeschätzt.

Anlässe für eine Gesprächstherapie

Die Gesprächstherapie wird erfolgreich bei der Behandlung psychischer Störungen angewandt. Häufig handelt es sich um Angst- oder Zwangsstörungen, Depressionen oder Abhängigkeitsstörungen.

Eine Gesprächstherapie ist nur dann geeignet, wenn eine Person eine Unstimmigkeit (Inkongruenz) zwischen ihrem Selbstbild und ihren Erfahrungen wahrnimmt. Zudem sollte man die Bereitschaft mitbringen, sich selbst genauer zu erforschen.

Bei psychotischen Symptomen und einigen  Persönlichkeitsstörungen ist die Gesprächstherapie ungeeignet, weil der Klient keine Problemeinsicht hat. Die Gesprächstherapie ist auch dann nicht zu empfehlen, wenn die Person Schwierigkeiten hat, sich sprachlich auszudrücken oder über sich selbst zu reflektieren.

Wie läuft eine Gesprächstherapie ab?

In den ersten Therapiesitzungen erstellt der Therapeut die Diagnose und erkundigt sich nach der Vorgeschichte. Daraufhin legt der Klient fest, welche Ziele er in der Therapie erreichen möchte.

Das Kernstück der Gesprächstherapie ist das Gespräch zwischen Klient und Therapeut. Der Klient schildert seine Probleme und seine Sichtweisen. Der Therapeut ist bemüht, die Gefühle und Gedanken des Klienten möglichst genau zu verstehen.

Die klientenzentrierte Gesprächsführung basiert darauf, dass der Therapeut immer wieder die Aussagen des Klienten in seinen eigenen Worten zusammenfasst. Durch die Reflexion des Therapeuten gelangt der Klient zu einem besseren Verständnis seiner inneren Welt.

In einer Gesprächstherapie gibt der Therapeut keine Ratschläge oder Anweisungen. Er sagt dem Klienten nicht, wie er sich verhalten soll, sondern hilft ihm, eine individuelle Antwort in sich selbst zu finden.

Therapeutische Grundhaltung

Rogers nahm an, dass in der Psychotherapie weniger die Technik, sondern vor allem die therapeutische Haltung gegenüber dem Klienten die entscheidende Rolle spielt. Zur Gesprächstherapie gehört, dass der Therapeut eine warme, einfühlende und bedingungslos wertschätzende Haltung gegenüber dem Klienten einnimmt.

Er wertet den Klienten nicht und bringt ihm Respekt entgegen. Durch diese Haltung des Therapeuten vollziehen sich automatisch Veränderungen im Klienten. Wenn sich der Klient  in der Therapie sicher und geborgen fühlt, kann er ohne Hemmungen erforschen, welche inneren Konflikte ihn belasten und diese frei äußern.

Veränderung des Selbstbilds

Viele Klienten  leiden, weil sie die Ursache ihres Unglücks in äußeren Bedingungen sehen, die sie nicht verändern können. In der Gesprächstherapie leitet der Therapeut hin zu den inneren Vorgängen, die Leid erzeugen, wie  beispielsweise verzerrte Wahrnehmungen. Der Klient lernt Pauschalurteile wie beispielsweise „Keiner mag mich“ genau zu überprüfen. Dadurch gelangt er im Laufe der Gesprächstherapie zu einer realistischeren Sichtweise, z.B. „Meine Familie und meine Freunde mögen mich, auch wenn wir ab und zu Meinungsverschiedenheiten haben“.

Ziel der Gesprächspsychotherapie ist, dass der Klient wertschätzend mit sich umgeht und lernt, sich so zu sehen und zu akzeptieren, wie er ist. Die Erfahrungen, die er macht, kann er offen annehmen und muss weder verdrängen, noch verzerren. Der Klient ist dann kongruent, das bedeutet, dass sein Selbstbild mit seinen Erfahrungen übereinstimmt.

In meiner Praxis kombiniere ich dieses Verfahren mit Techniken anderer therapeutischen Richtungen (u.a. systemische Ansätze, verhaltenstherapeutische Ansätze, etc.) um meinen Klienten eine praktikable, individuelle, nachhaltige Veränderung zu ermöglichen.